Wer ein zweites Jahr mit dem Working Holiday Visum in Australien verbringen möchte, muss insgesamt 3 Monate bzw. 88 Tage einen oder mehrere Jobs in bestimmten Arbeitsbereichen ausüben. Welche das sind und wie du das Visum beantragst kannst du hier nachlesen.

Die meisten Backpacker arbeiten auf den Obst- und Gemüsefarmen um ihr zweites Visum zu bekommen. Ich selbst habe 3 Tage Orangen gepflückt für Unterkunft und Verpflegung. Machte das aber nur, weil ich die Zeit überbrücken wollte um einen bezahlten Job zu finden.

Für mein zweites Working Holiday Visum, arbeitete ich 3 Monate im Zentrum von Australien. Mitten im Outback. Die einzige Stadt war ca. 5 Stunden entfernt. Dort hatte ich auch eins der spektakulärsten Erlebnisse meiner ganzen Work & Travel Reise.

Wo ich genau gearbeitet und was ich fantastisches erlebt und gesehen habe erfährst du in diesem Beitrag.

Kings Creek Station

Meine 88 Tage verrichtete ich mitten im Zentrum der roten Wüste Australiens auf der Kings Creek Station. Sie befindet sich 36 km entfernt vom Watarrka Nationalpark – Kings Canyon. Ian Conway ist der Eigentümer dieser Station und hat sie 1982 gegründet. Damals war es nur eine Rinder- und Kamelfarm. Heute ist es ein kleines Touristenziel. Es werden Helikopterflügen, Quad Touren und Kamelreiten angeboten. Ebenso gab es Übernachtungsmöglichkeiten in Safari Cabins oder auf dem Campingplatz.

Kings Creek Station
Luftaufnahme der Kings Creek Station

Hier kannst du dir das Promotion Video von der Station ansehen:

Die Kings Creek Station befindet sich außerdem nur 3 Stunden entfernt vom Erldunda Roadhouse. Dort habe ich 3 Monate zuvor gearbeitet, das du hier nachlesen kannst.

Mein Job als Yardie

Für das zweite Working Holiday Visum arbeitete ich als sogennanter Yardie. Es gibt keine wirkliche deutsche Übersetzung für diese Bezeichnung. Yard bedeutet Hof oder Garten. Yardie ist somit jemand, der alles erledigt was draußen am „Hof“ oder in unserem Fall am Campingplatz an Arbeit anfällt. Wir waren insgesamt 3-4 Yardies und hielten uns die meiste Zeit am Campingplatz auf. Um sich dort fortzubewegen wurden uns Quads zur Verfügung gestellt, die das Arbeiten erleichterten. Wir kümmerten uns um die Dusch- und Toiletteneinrichtungen, den sogenannten Rubbish-Run, die Bewässerung der Grasbereiche, Begradigung der Steinlinien, Gartenarbeiten und Eskortieren der Camper mit dem Quad zu ihrem Stellplatz.

Arbeiten im Campground

Gehalt

Das Jahresgehalt lag bei $35,000.00 (ca. 24.350,00 EUR) und wurde monatlich auf das Konto überwiesen. Unterkunft und Verpflegung betrungen $272.80 (ca. 190,00 EUR) im Monat. Das heißt man hatte am Ende des Monats nach Abzug der Steuern, Unterkunft und Verpflegung $1,694.87 (ca. 1.180,00 EUR) am Konto.

Wetter

Es war gerade Winter in der australischen Wüste, somit die angenehmsten Temperaturen zum Arbeiten. Morgens hatte es von -3 bis 10 Grad und nachmittags von 18 – 25 Grad. Im Sommer kann es da schon bis 45 Grad werden, was die Arbeit sehr beschwerlich macht in der Hitze.

In der Freizeit

An unseren freien Tagen war es uns möglich bei Helikopterflügen oder Quad Touren kostenlosen dabei zu sein. Die einzige Vorraussetzung war nur, dass Gäste solch eine Tour buchen und noch ein freier Platz zur Verfügung stand. Kamel Safaris wurden damals nicht angeboten, da kein Guide zur Verfügung stand und die Kamele trächtig waren.

Helikopterflug über die Middle Ranges
Helikopterflug über die Middle Ranges auf der Suche nach wild lebenden Tieren.

Das Muster

Eins der besten Erlebnisse meiner ganzen Australienreise war das sogenannte Muster von Kamelen, Rindern und Wildpferden das an zwei Tagen stattfand. Ich hatte richtig Glück an meinem letzten Arbeitstag dabeisein zu dürfen, da es sich nur alle 3 Monate ereignete. Außerdem lassen sie normalerweise keine Backpacker mit zum Muster, da es sehr gefährlich sein kann. Da aber ein Freund von Ian Conway das ganze filmte brauchte er Unterstützung beim Aufbau und Abbau der Film Location. Ich hatte irgendwie Glück das ich derjenige sein durfte der ihm dabei half.

Was ist überhaupt ein Muster?

Ein Muster wie es in Australien und Neuseeland bezeichnet wird, ist das Zusammentreiben des Viehbestandes wie z.B. Rinder, Schafe, Pferde aber auch Ziegen, Kamele, Büffel oder andere Tiere. Das Ausführen solcher Muster kann unterschiedliche Gründe haben wie z.B. ein routinemäßiger Gesundheitscheck, sowie Markierung des Vieh, Scheren, Verkauf, Fütterung oder der Transport zu einem anderen Ort. Ein Muster ist ein langwieriger und schwieriger Prozess und kann sehr gefährlich sein, besonders auf den riesigen australischen Cattle Stations.

Die Kings Creek Station mustert nur verwilderte Tiere wie Kamele, Rinder und Pferde, da die Station selbst keinen richtigen Viehbestand besitzt. Ian Conway hilft dabei dem Nationalpark und verkauft z.B. Kamele nach Arabien.

1. Tag – Kamel Muster

Das erste Muster fand in den eingezäunten Flächen des Watarrka Nationalparks (Kings Canyon) statt, da Park Ranger eine riesige Anzahl von wilden Kamelen entdeckten. Um die Verschlechterung des wertvollen aber schwachen zentralaustralischem Ökosystems zu verhindern, sollten deshalb die Kamele gemustert werden.

An diesem Tag wurden insgesamt 120 wilde Kamele zusammengetrieben mit Hilfe von Helikoptern, Quads, Jeeps und einem Motorrad.

Kings Creek Station Camel Muster
Herde mit 120 Kamelen

Das Video von Professor Chris Pollitt kannst du dir hier ansehen:

Im Video sieht das schon sehr spektakulär aus aber wenn man das hautnah miterlebt, kann man das Gefühl gar nicht in Worte fassen. Es ist ein Mix aus Glücksgefühl, bisschen Angst und haufenweise Adrenalin, das einem durch den ganzen Körper geht, wenn auf einmal 120 Kamele auf einen zulaufen. Einfach unbeschreiblich.

2. Tag – Wildpferde Muster

Am zweiten Tag fand ein Muster im sogenannten Mereenie Valley statt. Durch den geringen Niederschlag in diesem Gebiet waren die Wasser- und Nahrungsvorkommen erschöpft und Wildpferde somit in großer Gefahr durch Hungertod. Verantwortlich für das Wohl der Tiere und die Nachhaltigkeit des Landes beschlossen Ian Conway und die Besitzer des Gebietes auch hier ein Muster durchzuführen um den Viehbestand zu reduzieren.

Die Location war direkt neben einer Gebirgskette und wir hatten den perfekten Blick auf das ganze Geschehen.

Wildpferde Muster
Aufnahme aus der Luft von einer Drohne.

Hier kannst du dir das Video zum Muster ansehen:

…und hier ein kleiner Zusammenschnitt von meinen 3 Monaten:

Es hätte keinen besseren Ort geben können um für das zweite Working Holiday Visum zu arbeiten. Definitiv eins meiner besten Erlebnisse der ganzen Reise.

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