Um sich seinen Aufenthalt in Australien zu finanzieren, versuchen Backpacker ihre Reisekasse mit diversen Jobs wieder aufzufüllen. Jeder macht dabei die unterschiedlichsten Erfahrungen – im positiven wie auch im negativen Sinne.
 
In diesem Beitrag verrate ich dir wie es ist in einem Roadhouse zu arbeiten und warum ich dort in meinen 27 Monaten in Australien insgesamt 11 Monate verbracht habe.

Wie kam ich zu dem Job?

Ich war gerade in Melbourne im Februar 2015 und musste mich langsam nach Arbeit umsehen. In den australischen facebook Gruppen entdeckte ich zufällig ein Kommentar von jemanden der in einem Roadhouse im Zentrum Australiens gearbeitet hat. Nach ein bisschen Recherche entschloss ich mich dazu meine Bewerbung an das Roadhouse zu senden. Schon nach ein paar Tagen wurde mir ein Job angeboten, sobald eine Stelle frei werden würde. Es hat keine Woche gedauert und ich bekam den Job als Housekeeper.
 
Ich war zu dieser Zeit dann schon nördlich von Adelaide Orange Picking für Unterkunft und Verpflegung, da dies als Arbeit für das zweite Working Holiday Visum galt. Ich war sehr froh als ich den Job bekam, da der Deal auf der Farm nicht besonders gut war.
 
In zwei Tagen bin ich schließlich 1.300 km auf dem Stuart Highway Richtung Norden gefahren zum Erldunda Roadhouse. Das Roadhouse liegt 200 km südlich von Alice Springs direkt an der Kreuzung zum Uluru-Kata Tjuta Nationalpark. Im Umkreis von 300 km gibt es noch 5 andere Roadhouses, Erldunda ist aber eins der größten und meist besuchten hier im Zentrum.

Was ist überhaupt ein Roadhouse?

Wikipedia schreibt hierzu folgendes:“Ein Roadhouse in Australien ist im weitesten Sinne eine Raststätte, die eine Tankstelle und Fahrzeugreparaturwerkstatt mit angeschlossenem Restaurant bzw. Café umfasst. Diese Roadhouses haben sich an Highways zwischen den Städten für den Transitverkehr von Lastkraftwagen, Bussen und Automobilen niedergelassen. In den Restaurants oder Cafés wird warmes Essen für die Reisenden angeboten und sie bieten aufgrund der fehlenden Infrastruktur in wenig bewohnten Gebieten häufig Übernachtungsmöglichkeiten in angeschlossenen Motels oder auf Campingplätzen an.“
Erldunda Roadhouse
Das trifft alles auf das Erldunda Roadhouse zu, nur hatten wir keine Fahrzeugreparaturwerkstatt. Stattdessen gab es einen kleinen Supermarkt mit zahlreichen Produkten für die reisenden Touristen und Backpacker.
 
Außerdem gab es eine Emufarm und 4 gerettete Kängurus in einem Gehege die ohne unsere Hilfe nicht mehr in der Wildnis überleben konnten.
Kängurus
Kängurus
Emus
Emus

Zu der Zeit als ich dort arbeitete, kamen Touristen mit einem obdachlosen Hahn den sie unter einer Brücke am Highway gefunden hatten ins Roadhouse und haben uns gebeten sich um ihn zu kümmern. Ein witziges Video von einem australischen Frühstücksfernsehen die darüber berichteten kannst du dir hier ansehen. Man bekommt auch einen kleinen Einblick über das Roadhouse.

Welche Jobmöglichkeiten gibt es in einem Roadhouse?

Das kommt natürlich immer auf das Roadhouse an. Da Erldunda eins der Größten ist, wird so gut wie jede Jobmöglichkeit die man sich vorstellen kann abgedeckt. 
  • Manager
    • Leiten das komplette Roadhouse
  • Office Assistant
    • Erledigt alle anfallenden Büroarbeiten inkl. Rezeption
  • Shop Manager
    • Leitet den Shop
  • Shop Assistant
    • Hier arbeiten die meisten Backpacker die zuständig sind für den Verkauf der Produkte, Lebensmittel und Speisen/Gerichte sowie das zubereiten von gutem Kaffee.
  • Housekeeper
    • Reinigung der Motel Zimmer
  • Chef
    • Zubereiten der Gerichte für Mittag- und Abendessen im Restaurant/Bar und die Speisen für das Take-Away im Shop
  • Kitchen Hand
    • Hilfe bei Speisezubereitung und Geschirr spülen
  • Receptionist
    • Gäste einchecken, Büroarbeit, tägliche Kassenabrechnung 
  • Barkeeper
    • Aufnahme von Bestellungen, Zubereiten von Getränken, Speisen und Getränke servieren
  • Yardie
    • Alle anfallenden arbeiten draußen wie z.B. Müllentsorgung, Gartenarbeit, Campingplatz
  • Caretaker
    • Der Hausmeister ist zuständig für die Instandhaltung und Wartung des kompletten Roadhouses

Ich selbst habe im ersten Working Holiday Jahr 3 Monaten hauptsächlich als Housekeeper und einmal wöchentlich als Kitchen Hand gearbeitet. In meinem zweiten Working Holiday habe ich anfangs auch nur in Housekeeping gearbeitet und bis zum Ende nur noch in der Rezeption.

Was kann man in einem Roadhouse verdienen?

Wer in kurzer Zeit viel verdienen möchte ist in einem Roadhouse gut aufgehoben. Da die meisten sehr abgelegen liegen, kann das verdiente Geld nicht wirklich ausgeben werden und es lässt sich demnach einiges ansparen. Es wurde sogar drei mal der Stundenlohn erhöht.
 
Hier ein Rechenbeispiel für eine Woche:
Mein letzter aktueller Stundenlohn betrug $26.61
 
Job Stunden Betrag
Cleaning 37.50 $997.88
Reception 22.25 $592.07
Distance Allowance (Entfernungszulage $0.18) 59.75 $10.46
Board & Meals (Unterkunft & Verpflegung)   -$115.00
PAYG Withholding (Steuern)   -$393.00
NET PAY (Nettolohn)   $1,092.41*
*mit Wechselkurs von 1 AUD = 0,73 EUR sind das 798,03 EUR
Jede Woche hatte unterschiedliche Arbeitszeiten, aber mindestens 43 Stunden. Im Durchschnitt hatte man ca. zwischen $900 – $1.000 in der Woche auf seinem Bankkonto.

Wie ist die Unterkunft und die Verpflegung?

Es gab zwei verschiedene Bereiche für Unterkünfte. Das sogenannte Pizza Hut hatte insgesamt 14 Zimmer, 6 Badezimmer, einen Gemeinschaftsraum mit Billardtisch und einer Tischtennisplatte sowie ein Fitnessbereich mit verschiedenen Geräten.
Unterkunft Erldunda
Unterkunft (Pizza Hut) für die Belegschaft
gemeinsamer Aufenthaltsbereich
gemeinsamer Aufenthaltsbereich im Pizza Hut
Alle Zimmer waren ausgestattet mit einem Doppelbett, Klimaanlage, Kühlschrank, Schreibtisch und Spühl- bzw. Waschbecken.
 
Der zweite Bereich hieß Erldunda Heights und hatte 6 kleine Hauscontainer. Jedes Haus hatte etwas mehr Comfort mit eigenem Bad und Wohnzimmer, waren aber teilweise schon sehr veraltet.
 
Beide Bereiche waren nur 1 Minute zu Fuss entfernt vom Roadhouse.
 
Die Verpflegung war sehr reichhaltig und abwechslungsreich. Zum Mittagessen war es möglich sich in das Lunch Book zu einer bevorzugten Zeit einzutragen, woraufhin es dann in der Küche zubereitet wurde.
 
Zu Abend gab es immer unterschiedliche warme Gerichte an einem Buffet, manchmal sogar ein BBQ am Pool.
Poolbereich
Poolbereich 

Was macht man an seinen freien Tagen?

Sich mitten in der australischen Wüste zu befinden und ein Fahrzeug zu besitzen kann sehr praktisch sein. Ich hatte zum Glück ein Auto und konnte ab und zu nach Alice Springs oder Yulara fahren, was nur 2 – 2.5 Stunden entfernt lag. 200 Kilometer Autofahrt zur einzigen Stadt im australischen Zentrum ist mal kurz um die Ecke.
 
Es gab auch die Möglichkeit zum Uluru-Kata Tjuta National Park oder Kings Canyon zu fahren, die jeweils ca. 2,5 Stunden entfernt lagen. Auch eine Tagestour zum Uluru mit einem Reiseunternehmen aus Alice Springs (Emu Run Experience) konnte gebucht werden, die 4 mal die Woche ging und für Erldunda Mitarbeiter nur 50 Dollar kostete.
 
Im Winter sitzt man abends meistens am Lagerfeuer mit ein paar Bierchen und es wird sich mit anderen Backpackern und Australiern über sämtliche Themen ausgetauscht. Im Sommer hingegen wird die meiste Zeit am Pool verbracht, da es fast jeden Tag über 35 Grad hat. Auch Abschiedspartys oder Geburtstagsfeiern wurden ständig zelebriert, damit es uns nicht langweilig wurde.
 
Ansonsten versucht sich jeder an seinen freien Tag zu erholen oder einfach alles zu nutzen was das Roadhouse zu bieten hat, wie Pool, Billard, Bar, Fitnessstudio, Kängurus, Emus.
 
Ach ja. Die Sonnenuntergänge und -aufgänge, sowie der nächtliche Sternenhimmel waren natürlich der absolute Wahnsinn im australischen Outback.
Sonnenaufgang
Sonnenaufgang (ich habe an den Farben nichts verändert, der Sonnenaufgang sah wirklich so aus!)
Milchstraße
Milchstraße – noch 10 mal spektakulärer wenn man es in echt sieht 

Fazit  

Für mich hätte es keinen besseren Job in Australien geben können. Es war nicht nur die Arbeit die einem super Spaß macht sondern auch das zusammen leben mit anderen Backpackern und Australiern. Ich habe so tolle Leute aus den unterschiedlichsten Ländern in dieser Zeit kennen gelernt und möchte das definitiv nicht missen.
Erldunda Belegschaft 2015
Erldunda Belegschaft 2015
Erldunda Belegschaft 2016
Erldunda Belegschaft 2016
Ich weiß leider nicht wie es in anderen Roadhouses abläuft, hörte aber von anderen Backpackern schon viel schlechteres. Es ist wahrscheinlich nicht einfach das perfekte Roadhouse zu finden indem alles ausgezeichnet läuft. In meinem Fall hatte ich großes Glück, da alles einwandfrei war, sonst hätte ich nicht 11 Monate im gleichen Roadhouse verbracht.
 
Hier kannst du dir noch das kurze Promo Video zum Erldunda Roadhouse ansehen.

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